Investition und Gewinn

Warum die CITYBAHN eine Zukunftslinie für ganz Essen ist.

Die Fördersummen für nachhaltige Mobilitätsprojekte in deutschen Städten waren noch nie so hoch wie heute. Deswegen ist die CITYBAHN nicht nur ein Mobilitätsprojekt, sondern auch eine große Chance: Sie ist eine Investition in die Stadtentwicklung, die Umwelt und nicht zuletzt die Lebensqualität in Essen.


So lief der Thementalk


Warum investieren Stadt und Ruhrbahn in die CITYBAHN-Strecke ...

Dank der neuen Verbindung kommen Fahrgäste aus Frintrop, Borbeck und Altendorf sowie dem Südostviertel, Huttrop und Steele schneller in die City. Insgesamt sinkt die Reisezeit auf den betroffenen Strecken im Jahr um 603.000 Stunden. Parallel wird der Berthold-Beitz-Boulevard auch für Pkw bis an die Hans-Böckler-Straße verlängert, sodass die Zufahrten der A40 sowie der A52 schneller erreicht und die nordwestlichen Stadtteile entlastet werden.

Die CITYBAHN ist eine neue Straßenbahnstrecke, auf der insgesamt drei Linien unterwegs sein werden. Sie verkürzen die Fahrt aus den nordwestlichen Stadtteilen in die Innenstadt und binden das neue Stadtquartier ESSEN 51. an den Hauptbahnhof an. Sie passieren den Bahnhofsvorplatz oberirdisch und schaffen von dort eine umsteigefreie Verbindung ins Südostviertel, nach Huttrop und Steele.

Die Fahrgastzahlen auf den Linien in der City steigen von Jahr zu Jahr. Das Tunnelsystem der Straßen- und U-Bahn im Stadtzentrum verträgt gegenwärtig jedoch keine weiteren Taktverdichtungen. Vielmehr bildet es ein Nadelöhr im Schienennetz und ist heute mit bis zu 30 Fahrten pro Stunde und Fahrtrichtung extrem hoch befahren. Alle zwei Minuten fährt dort in jede Richtung eine Bahn – das sind 1.100 Fahrten pro Tag.

Die oberirdische Streckenführung der CITYBAHN ermöglicht es, die Fahrten der Linie 105 aus dem Straßen- und U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof auf die Straße zu verlagern. Alle Linien, die weiterhin den Tunnelbereich passieren, werden pünktlicher.

Eine schnelle, pünktliche und gut erreichbare Straßenbahnanbindung ist eine attraktive Alternative zum eigenen Pkw. Studien zeigen, dass viele Autofahrer*innen dazu bereit sind, auf ein modernes und attraktives Straßenbahnsystem umzusteigen – wenn das Angebot stimmt. Deshalb ist die CITYBAHN ein wichtiger Schritt, um die unterschiedlichen Verkehrsträger in Balance zu bringen. Das Ziel ist klar: Von vier Wegen in der Stadt soll in Zukunft jeweils einer zu Fuß, mit dem Rad, dem Pkw und im ÖPNV zurückgelegt werden. Das ist gut für den Verkehrsfluss, die Stadtluft und das Klima.

Bevor die CITYBAHN umgesetzt wird, prüft der Bund mithilfe der Standardisierten Bewertung, ob sie ein volkswirtschaftlich lohnendes Projekt ist. Nur wenn diese Untersuchung positiv ausfällt, wird die neue Strecke auch gebaut. Kernfrage der Prüfung ist, ob jeder Euro, der in das Projekt investiert wird, mehr als einen Euro für die regionale Volkswirtschaft einbringt. Dabei fließen verschiedene Parameter in die Berechnung ein, die zuvor zu Vergleichszwecken in Geldgrößen umgerechnet werden. Schließlich profitieren nicht nur Fahrgäste von der neuen Straßenbahn: Für Anwohner*innen sinkt die Schadstoffbelastung im Umfeld der Trasse, Lieferant*innen und Handwerker*innen verlieren weniger Zeit im Stau und für Pkw- sowie Radfahrer*innen wird der Verkehrsraum sicherer.

... wie hoch ist die Investition ...

Nach aktuellen Berechnungen liegen die Kosten für Ruhrbahn und Stadt Essen bei rund 4,7 Millionen Euro.

Das ist ein Anteil von 5 Prozent an den Gesamtkosten. Die Fördersätze des Bundes für Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr haben sich seit Anfang 2020 erhöht – der Bund gibt jetzt bis zu 75 Prozent, das Land Nordrhein-Westfalen stockt die Fördersätze des Bundes auf 95 Prozent auf.


Aktuelle Kostenschätzungen für die Strecke von der Haltestelle Bergmühle über ESSEN 51., den Berthold-Beitz-Boulevard und den Hauptbahnhof zum Betriebshof Mitte belaufen sich auf rund 94,5 Millionen Euro. Da sich die Preise im Baugewerbe entwickeln, kann sich dieser Betrag im weiteren Projektverlauf noch ändern.

 

4,7 Mio. Euro

investieren Ruhrbahn und Stadt Essen.
Das sind 5 Prozent der Gesamtkosten.


Zwei Schienen, ein Fahrdraht – fertig ist die Straßenbahntrasse. So einfach ist es leider nicht. Zur Umsetzung der CITYBAHN sind eine Reihe von Maßnahmen notwendig, die nicht immer direkt die Straßenbahninfrastruktur betreffen. So werden rund 20 Millionen Euro für den Bau von Pkw-Spuren, Rad- und Fußgängerwegen verwendet, ein vergleichsweise geringer Betrag von etwa 350.000 Euro fließt in Arbeiten am umliegenden Stadtgrün. Mit mehr als 4 Millionen Euro werden Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert und verlegt, fast 3 Millionen Euro kosten die Anpassungen an Stützbauwerken und Brücken entlang der Strecke.
Folgende Übersicht zeigt alle Positionen im Projekt, ob die gesamte Auflistung förderfähig ist, prüfen Bund und Land:

  • Gleise
  • Weichen
  • Fahrdraht und Masten
  • Beleuchtung
  • Ampelanlagen und Übergänge
  • Bahnsteige, Bahnsteigdächer und Rampen
  • Haltestellenausstattung
  • Fernmeldeanlagen, Leitsysteme, Telekommunikationsanlagen, Fahrgastinformation
  • Umformerwerke und Unterwerke
  • Brücken und Straßenbahnunterführungen
  • Stützbauwerke
  • Pkw- und Busspuren sowie Rad- und Fußgängerwege
  • Oberbau für Straßen und Wege
  • Landschaftsbau und Bepflanzungen
  • Ver- und Entsorgungsleitungen
  • einmalige Aufwendungen

Woher kommen die Fördergelder ...

Seit 1971 unterstützt der Bund die Länder und Kommunen mit finanziellen Mitteln bei der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG). Die Fördergelder für den Ausbau des klimafreundlichen ÖPNV, insbesondere für den Bau von Straßenbahnen, wurden übrigens zuletzt noch einmal deutlich erhöht: Mittlerweile trägt das Bundesverkehrsministerium in der Regel 75 Prozent der Baukosten.

Bevor die Gelder fließen, prüft der Bund jedes Ausbauprojekt anhand der sogenannten Standardisierten Bewertung auf seine Wirtschaftlichkeit. Alle Rechenschritte der Standardisierten Bewertung sind fest vorgegeben. Sie vergleichen die Baukosten mit den erwarteten finanziellen Einsparungen im Hinblick auf folgende Punkte:

  • Reisezeiten im ÖPNV
  • Pkw-Betriebskosten
  • (zusätzliche) Mobilitätsmöglichkeiten
  • ÖPNV-Betriebskosten
  • Unfallschäden
  • CO2-Emissionen
  • weitere Schadstoffe
  • Geräuschbelastung

... und wofür darf die Stadt sie verwenden?

Die Fördermittel des GVFG sind zweckgebunden. Das heißt, dass sie aus einem Topf zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs kommen und deshalb nicht in andere wichtige Projekte, beispielsweise in Kitas oder Schulen oder Krankenhäuser, investiert werden können. In den letzten 20 Jahren haben Städte wie Köln, Düsseldorf, Freiburg, Karlsruhe oder Frankfurt ihre Stadt- und Straßenbahn-Netze massiv erweitert – und damit von Zuschüssen profitiert, die auch im Ruhrgebiet erwirtschaftet wurden.


Was haben andere Städte mithilfe des Förderprogramms realisiert?

Eine Straßenbahn der KVV fährt vor einem weißen gebäude entlang.

Stadtbahn Karlsruhe: Kombilösung

300 Mio. Euro

Fördermittel

Die Kombilösung besteht aus zwei Einzelprojekten, die nicht voneinander zu trennen sind: einem 2,4 Kilometer langen Straßenbahn-Tunnel unter der City und dem Umbau der Kriegsstraße mit einem 1,4 Kilometer langen Straßentunnel sowie einer neuen Straßenbahntrasse über diesem Tunnel. Sie ist die Grundlage zur Erweiterung der Innenstadt.

Eine Straßenbahn der SWU fährt über einen geplasterten Platz.

Straßenbahn Ulm: Linie 2

128 Mio. Euro

Fördermittel

Die rund 9 Kilometer lange Neubaustrecke führt von der Wissenschaftsstadt Ulm mit Universität und Hochschule über den Hauptbahnhof bis zu einem Schulzentrum im Südwesten der Stadt. Seit 2018 bedient die Linie 2 insgesamt 21 Haltestellen, von denen 18 neu gebaut wurden. Für die Stadt Ulm war das Projekt das größte Bauvorhaben seit 1945.

Stadtplanerische Darstellung der U-Bahn Frankfurt, mit der U5 im Europaviertel.

U-Bahn Frankfurt: U5 ins Europaviertel

125 Mio. Euro

Fördermittel

Frankfurts größter neuer Stadtteil, das Europaviertel, wächst. Die Anbindung an das städtische U-Bahnnetz soll mit der Linie U5 erfolgen, die über den Hauptbahnhof hinaus verlängert wird und vier zusätzliche Stationen erhält. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main und die Stadt Frankfurt bauen dafür eine rund 2,7 Kilometer lange U-Bahn-Strecke.

Panoramaansicht der Haltestelle Rotteckring der Stadtbahn Freiburg.

Stadtbahn Freiburg: Rotteckring

74 Mio. Euro

Fördermittel

Die Stadtbahn Rotteckring ist ein wesentlicher Meilenstein der Westerweiterung der Freiburger Innenstadt. Sie erschließt auf 1,9 Kilometern Strecke neue Teile der City, schafft barrierefreie Umsteigeverbindungen und entlastet zentrale Straßenbahnknoten. Entlang der Trasse sind zudem attraktive Plätze und Aufenthaltsflächen entstanden.


Stimmen aus der Stadt

Portrait von Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen

„Die CITYBAHN verbessert die Erreichbarkeit der Essener Innenstadt. Damit leistet sie einen Beitrag, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Gleichzeitig bietet sie Anreize, vom Auto in den ÖPNV umzusteigen. Das entlastet die Straßen und macht den Weg für Wirtschaftsverkehre frei, die nicht verlagert werden können. Die CITYBAHN ist ein wichtiger Baustein für effiziente und umweltgerechte Mobilität.“
 

Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen

Portrait von Uwe Bonan, Geschäftsführer der Ruhrbahn GmbH

„Mit der CITYBAHN wird eine direkt Ost-West-Verbindung in die Stadt bis zum Essener Hauptbahnhof geschaffen. Lange Zeit wurde das von den Bürger*innen und der Politik gewünscht. Gleichzeitig entlastet die CITYBAHN die innerstädtischen Verkehre, wertet die Essener Innenstadt auf, bindet das neue Stadtquartier ESSEN 51. an die City an und reduziert Reisezeiten. Und das emissionsfrei und für unsere Fahrgäste äußerst komfortabel.“

Uwe Bonan, Geschäftsführer der Ruhrbahn GmbH

Portrait von Andre Boschem, Geschäftsführer der EWG mbH

„Die CITYBAHN wird den innerstädtischen Verkehr verbessern und ESSEN 51. an die City anbinden. Besonders bemerkenswert finde ich, dass dadurch endlich wieder eine Straßenbahn im Stadtbild sichtbar wird.“






 

Andre Boschem, Geschäftsführer der EWG mbH