Stadtverkehr und Baustellen

Welche Auswirkungen das Projekt auf Straßen, Geh- und Radwege hat.

Vielfältiger, leistungsfähiger und klimafreundlicher: Der Verkehr in Essen wird zunehmend bunter und flexibler. Um neben Autos und Bussen attraktive Alternativen zu schaffen, wird der Stadtraum im Zentrum neu gedacht: In Zukunft sollen CITYBAHN-Linien, ausgebaute Fahrradstrecken und Fußgängerwege nicht nur neue Möglichkeiten, sondern noch mehr Lebensqualität bieten.


So lief der Thementalk


Welche Auswirkungen hat die CITYBAHN auf die Wege ...

Mit der CITYBAHN kommt die Straßenbahn im Zentrum zurück an die Oberfläche. Dort fährt sie größtenteils auf einer separaten Fahrspur, um den übrigen Verkehr nicht zu behindern und selbst pünktlich unterwegs zu sein. Nur auf einem Teilstück der Hachestraße ist dies nicht möglich: Hier teilen sich die CITYBAHN-Linien die Fahrbahn mit Pkw von Anwohnern und Anliegern.

Die oberirdische Streckenführung der CITYBAHN ermöglicht es, die Fahrten der Linie 105 aus dem Straßen- und U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof auf die Straße zu verlagern. Das schafft zusätzliche Kapazitäten im Streckennetz und erhöht die Pünktlichkeit der Linien, die weiterhin den Tunnelbereich passieren.

Auf das Busnetz der Ruhrbahn hat die CITYBAHN keinen direkten Einfluss – die Linien fahren unverändert.

Mit der Verlängerung des Berthold-Beitz-Boulevards in südlicher Richtung von der Frohnhauser Straße an die B224 entsteht für Pkw-Fahrer*innen aus den nordwestlichen Stadtteilen eine schnelle Verbindung zur A40. Davon profitieren auch die Bewohner*innen von Frohnhausen, da hier der Durchfahrtsverkehr reduziert wird. Damit die Kfz auf der B224 nicht die kreuzenden CITYBAHN-Linien stören, werden die Straßenbahnen durch eine Unterführung zwischen Berthold-Beitz-Boulevard und Hachestraße geführt. Auf der Hachestraße wird der Pkw-Verkehr reduziert, die Hollestraße darf künftig nur noch von Bussen und Anliegern befahren werden. Anliegern wird darüber hinaus untersagt, von der Hollestraße in die Hachestraße zu fahren.

Zudem entfallen auf dem Abschnitt von der B224 über den Hauptbahnhof bis zur Steeler Straße in der Hachestraße und Hollestraße 148 der bestehenden 223 Parkplätze. Ladezonen, Taxiplätze und Behindertenstellplätze bleiben vollständig erhalten.

Grundsätzlich werden in der gesamten Planung der CITYBAHN Radwege mitkonzipiert. Auf dem Berthold-Beitz-Boulevard werden die Gehwege für Radfahrer*innen freigegeben, vor Kreuzungen wird der Radverkehr auf die Pkw-Fahrspur in den Sichtbereich der Pkw-Fahrer*innen geführt. In der Hachestraße und der Hollestraße sind Radfahrstreifen geplant. Eine Ausnahme stellt der Straßenabschnitt zwischen der Straße An der Reichsbank bis zum Hauptbahnhof dar. Da sich Rad- und Pkw-Verkehr in Richtung Hauptbahnhof hier die Fahrspur teilen, wird auf dieser Teilstrecke eine Fahrradstraße eingerichtet.

Derzeit nutzen viele Essener*innen selbst für kurze Wege das Auto. Damit sich dieser Trend langfristig ändern kann, werden nicht nur im Stadtzentrum Gehwege neu gestaltet. Entlang der CITYBAHN-Linie wird es sichere und barrierefreie Fußgängerüberwege geben. Selbstverständlich werden auch die Bahnsteige der Straßenbahn einschließlich der Zugänge komplett barrierefrei angelegt. Der niveaugleiche Einstieg in die Niederflurbahnen wird durch die 24 Zentimeter über Schienenoberkante konzipierten Bahnsteigkanten sichergestellt.

... und wie teilen sich die Menschen entlang der Linie den Verkehrsraum?

Haus-Berge-Straße

Auf der Haus-Berge-Straße sind schon heute Straßenbahnen unterwegs. Mit dem Bau der CITYBAHN erhalten sie ein separates Rasengleis in der Fahrbahnmitte. Links und rechts der Trasse entstehen jeweils eine Pkw- sowie eine Radspur. Die Parkmöglichkeiten auf der Haus-Berge-Straße sollen weitestgehend erhalten bleiben.

Berthold-Beitz-Boulevard

Auf dem neuen Abschnitt des Berthold-Beitz-Boulevards sind die CITYBAHN-Linien in der Fahrbahnmitte auf begrünten Schottergleisen unterwegs. Die Trasse trennt die beiden zweispurigen Pkw-Fahrbahnen. An den äußeren Rändern der Pkw-Spuren trennen weitere Grünstreifen die Fahrbahnen von den Gehwegen. Letztere werden für Radfahrer*innen freigegeben. Am Knotenpunkt Berthold-Beitz-Boulevard / B224 / Hachestraße wird es für Pkw-Fahrer*innen aus südlicher Richtung nicht möglich sein, in den Boulevard einzubiegen. Sie werden am Knotenpunkt B224 / Schwanenkampstraße über eine Rampe auf den Berthold-Beitz-Boulevard geleitet.

Hachestraße

Auf der Hachestraße entsteht eine Umwelttrasse – Straßenbahn und Radverkehr haben hier Vorfahrt. Eine Ampelschaltung reduziert zudem die Zufahrt durch Pkw von der B224. Zwischen B224 und Hindenburgstraße sind die CITYBAHN-Linien auf einem separaten Rasengleis unterwegs. An der Kreuzung Hindenburgstraße / Hachestraße gilt künftig ein Linksabbiegeverbot – außer für den Bus von der Hindenburgstraße in Richtung Hauptbahnhof. Im Abschnitt von der Hindenburgstraße bis zur Straße An der Reichsbank kann aufgrund des engen Straßenquerschnitts keine separate CITYBAHN-Trasse angelegt werden. Pkw-Fahrer*innen dürfen die Hachestraße vom Hauptbahnhof kommend künftig nur noch bis zur Straße An der Reichsbank befahren und müssen dort rechts einbiegen. Zudem kann zwischen Reichsbank und Hauptbahnhof auf der Fahrspur Richtung Hauptbahnhof kein Radstreifen eingerichtet werden. Dieser Abschnitt wird zur Fahrradstraße, bleibt jedoch für Kraftfahrzeuge freigegeben.

Hollestraße

Die Hollestraße wird künftig zur Umweltverbundachse. Hier gilt ein Durchfahrtsverbot für Kfz – ausgenommen sind Busse und Anlieger. Die CITYBAHN fährt hier in der Fahrbahnmitte auf einem separaten Rasengleis. Neu ist auch, dass Radfahrer direkt von der Hachestraße kommend in die Hollestraße weiterfahren können.


Welche Baumaßnahmen sind geplant?

Während der Bauphasen werden die Einschränkungen und Belastungen durch ein abgestimmtes Baustellenmanagement so gering wie möglich gehalten. Größere Sperrungen werden möglichst in verkehrsärmere Zeiten gelegt – jedoch ist dies nicht für jede Baumaßnahme entlang der gesamten Linie möglich. Daher werden Sperrungen von einzelnen Spuren oder ganzen Straßen temporär zu größeren Einschränkungen führen. Die Knotenpunkte entlang der Linie sollen dabei möglichst nicht gleichzeitig bebaut werden. Die Bauzeit soll insgesamt vier Jahre betragen, wobei etwa die Hälfte der Zeit für vorlaufende Arbeiten von Stadtwerken und Steag benötigt werden. Innerhalb dieser vier Jahre wird an verschiedenen Bauabschnitten gearbeitet, der Zeitraum einzelner Maßnahmen vor Ort wird deutlich kürzer ausfallen. Ein erhöhter Koordinierungsaufwand kann noch entstehen, wenn private Bauherren entlang dieser Achse Baumaßnahmen durchführen wollen.


Weitere Details zu den Bauphasen werden Ruhrbahn und Stadt Essen im Laufe der Planungsprozesse erarbeiten und veröffentlichen. In den Bauplanungsprozess sollen die direkten Anlieger frühzeitig mit Ihren spezifischen Bedürfnissen einbezogen werden. Während der Bauphase wird es ein umfassendes Informationsangebot mit festen Anprechpartner*innen für die Essener*innen geben.

Der Straßenbau auf dem Berthold-Beitz-Boulevard starten voraussichtlich 2022 und dauern anderthalb Jahre. Im Zuge der Baumaßnahmen wird auch die Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard / Frohnhauser Straße umgebaut – hier kommt es zu temporären Einschränkungen des Pkw-Verkehrs. Die Gleisbauarbeiten beginnen im Berthold-Beitz-Boulevard im Jahr 2024.

Die Unterquerung der B224 separiert Straßenbahn- und Pkw-Verkehr am Knoten B224 / Frohnhauser Straße / Hachestraße. Somit wird das Risiko von Verzögerungen des Straßenbahnbetriebs in diesem Streckenabschnitt ausgeschlossen, der Pkw-Verkehr wird zudem nicht durch eine Vorrangschaltung für die Straßenbahn ausgebremst. Das Bauwerk wird die Hans-Böckler-Straße in ihrer gesamten geplanten Breite von rund 44 Meter unterqueren. Voraussichtlich dauert der Bau der Unterführung anderthalb Jahre.

Die Hachestraße wird unter laufendem Verkehr umgebaut. Bereits im dritten Quartal 2021 werden hier Leitungsarbeiten beginnen, die etwa ein Jahr andauern werden. Dabei kommt es zu größeren Einschränkungen für den Pkw-Verkehr an der Kreuzung zur Hindenburgstraße. Der Start der Gleisbauarbeiten ist in der Hachestraße für das Jahr 2023 geplant.

Während der Bauphase am Bahnhofsvorplatz muss der Verkehrsknoten am Hauptbahnhof / Hollestraße temporär gesperrt werden – die Querung der Fußgänger vom Hauptbahnhof zum Willi-Brandt-Platz bleibt bestehen. Bereits Ende 2021 beginnen hier Leitungsarbeiten.

Die Hollestraße kann unter laufendem Verkehr umgebaut werden, allerdings kommt es am Knoten an der Steeler Straße aufgrund umfangreicher Baumaßnahmen zu größeren Verkehrsbeschränkungen. Mitte 2022 beginnen hier Leitungsarbeiten, die etwa ein Jahr andauern – der Start der Gleisbauarbeiten ist in der Hollestraße für das Jahr 2024 geplant.


Stimmen aus der Stadt

„Die Citybahn fährt zu einem überwiegenden Anteil auf besonderem Bahnkörper und fährt somit unabhängig von Stau und Verkehrsproblemen. Dadurch hat sie einen erheblichen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber dem Individualverkehr, was die Attraktivität massiv steigert. Eine Vielzahl von Autofahrten kann damit eingespart werden was wiederum den Verkehr in Essen entlasten wird.“

Sebastian Brandenbusch, Abteilungsleiter Bahnstromversorgung IB-B und stellvertretender Betriebsleiter BOStrab / BOKraft bei der Ruhrbahn

„Die Citybahn ist das Schlüsselprojekt zur Steigerung des öffentlichen Nahverkehrs in Essen. Sie ist somit ein bedeutender Türöffner auf den Weg zu einer modernen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Mobilität in unserer Stadt.“

 

 

 

Rainer Wienke, Fachbereichsleiter im Amt für Straßen und Verkehr

„Die Citybahn stellt ein wichtiges Projekt dar, um nennenswerte Verlagerungseffekte vom MIV auf den ÖPNV erzielen zu können. Gerade die letzte Haushaltsbefragung zum Thema Mobilität und Verkehr hat gezeigt, dass Stadtbereiche eine positive Trendentwicklung haben, wenn diese über eine Straßenbahn verfügen.“

 

Karsten Strack, Verkehrsplaner bei büro stadtVerkehr in Hilden